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Herausgeber: Guido Blumer & Roger Rutz.
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«Wandzeitung» am Obertor 32.

Die älteste Zeitungsform und gleichsam die modernste:
365 Texte im Jahr hängen während eines Tages an der Wand,
und sie werden tags darauf im Blog diskutiert.

 


Lächeln oder Lachen ...

Immer nur lächeln.

Lachen sei gesund, sagt man. Lächeln immer angesagt: auf Fotos ohnehin, aber auch sonst. Leider schaffe ich es auf Fotos meist nicht, oder es sieht gezwungen aus. Wenn ich mir Buchtitel anschaue, die vom Lachen handeln, komme ich mir einsam vor: Da lacht’s und kracht’s, da lächelt’s und schmachtet’s. Aber die Chinesen, die können das. Sie können auch noch einiges mehr, sogar einiges, das wir nicht so gut können. Bei Politikern ist das Lächeln Markenzeichen. Die Wahlplakate, die da bis vor kurzem herumhingen, zeigen das klar. Auf Plakaten muss man lächeln, auch wenn es nichts zu lachen gibt. Im täglichen Leben haben wir bei den Politikern allerdings zwei grundverschiedene Sorten: die grimmige und die lächelnde. Musterbeispiele: Schneider-Amman, Leuthard.

Im Land des Lächelns, einer Operette von Franz Léhar, wird damit China gemeint. Ursprünglich hiess dieses Werk «Die gelbe Jacke». Ob Frau Leuthard eine solche besitzt, weiss ich nicht, aber sie würde ihr sicher gut stehen, so wie sie immer lächelt. Oder gar lacht. Am meisten habe allerdings ICH gelacht, als ich sah, wie sie dem chinesischen Ministerpräsidenten ein Käsefondue servieren liess. Das Bild ging um die Welt: Frau Leuthard, die das Maximum an Zähnen zeigt, der chinesische Ministerpräsident mit der Fonduegabel in der Hand mit einem gequälten Lächeln (ohne Zähne) und daneben die Firstlady mit hängenden Mundwinkeln.

Dass Frau Bundesrätin Leuthard aus dem Kanton Aargau kommt, wissen wir, auch wenn sie keine weissen Socken trägt; dass der Rüeblikanton – Verzeihung, das ist nicht meine Erfindung – oft kulturell unter Kurs läuft, wissen wir auch. Auch wenn es nicht immer stimmt. Aber dass Chinesen Käse nicht verdauen können, weil ihnen das entsprechende Enzym fehlt, könnte schon fast Allgemeinbildung sein. Sie vertragen keine Milchprodukte, darum findet man in China kaum Käse, und wenn, dann nur komische Mischungen aus Soja etc. Und erst noch kolossal überteuert. Also: China ohne Käse.

Wenn ich einem Vegetarier einen Wurstsalat auftische, wird er mich ganz bestimmt für blöd oder provokativ halten. Wenn Frau Leuthard einem Chinesen – und zwar nicht irgendeinem – Käse serviert, dann verhält sich der Chinese höflich, sogar lächelnd: Er muss sich zum Lächeln zwingen, denn er weiss, dass er mit Sicherheit eine schlimme Nacht haben wird, mit Sodbrennen, Aufstossen, Erbrechen und Durchfall. Und noch drei weitere Tage nichts Anständiges mehr essen kann, weil seine Verdauung durch den «Käsegenuss» schwer gestört ist. Aber er lächelt. Ob das Kommunikationsteam von Frau Leuthard auch lächelt oder sich vor Lachen in die Hose macht, ist uns leider nicht bekannt. Auf jeden Fall lacht die Bundesrätin einmal mehr aus vollen Hals, wie sie sieht, dass die beiden illustren Gäste das Fondue verdrücken. Ein bisschen Wissen um die Kultur in China wäre nicht unangebracht gewesen. Aber Sie wissen ja: Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts.

Franz Léhar lässt den Chinesen SOU-CHONG singen: «Immer nur lächeln und immer vergnügt, immer zufrieden, wie’s immer sich fügt, lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen, doch niemals zeigen sein wahres Gesicht.» Jaja.


Andre Bernhard,
19.2.2017, 116. Jahrgang, Nr. 50.

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