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Herausgeber: Guido Blumer & Roger Rutz.
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«Wandzeitung» am Obertor 32.

Die älteste Zeitungsform und gleichsam die modernste:
365 Texte im Jahr hängen während eines Tages an der Wand,
und sie werden tags darauf im Blog diskutiert.

 


Löwen interessieren sich nicht für die Meinung von Schafen:

An alle Schafe.

Dazugehören. Tief in unserem Herzen wollen wir das doch alle. Der Mensch ist immer auf der Suche nach anderen Menschen und vor allem nach deren Zuneigung. Doch dabei reicht ein Einzelner nicht, es sollten möglichst viele sein. Denn wenn man viele Freunde hat, bekommt man auch mehr Liebe. Oder nicht?

Vielleicht fühlt es sich auch genau deshalb so an, als hätte man versagt, wenn jemand einen nicht mag. Schliesslich ist es doch meine Mission, möglichst viele Freunde zu finden. Jedenfalls fühlte es sich lange Zeit so für mich an.

Ich war unglücklich, bis in die letzte Zelle meines Körpers verletzt, wenn mich jemand nicht mochte, oder bloss der leiseste Anlass zu diesem Verdacht bestand. Und ich hätte alles getan, um die Meinung der betreffenden Person zu ändern. Sie sollten mich mögen, auch wenn es bedeutete, nicht mehr ICH zu sein. Lange Zeit hatte ich mich so gefühlt. Und zwar bei allen. Bis ich es dann plötzlich nicht mehr tat.

Ich kann keinen Ort oder Zeitpunkt nennen. Aber an irgendeinem Punkt schien ich unterbewusst zu entscheiden, dass gewisse Menschen meine Bemühungen nicht verdient hatten. An irgendeinem Punkt beschloss ich, ich selber zu bleiben und an jene, denen das nicht gefiel, auch keinen weiteren Gedanken zu schenken. Danach war ich in einem solchen Ausmass erleichtert, wie noch nie in meinem Leben.

Natürlich zweifle ich in schwachen Momenten noch immer. Nicht an Menschen, die mir nichts bedeuten. Die sind tatsächlich bedeutungslos für mich geworden (was gut ist, dann können sie mich nur noch positiv überraschen und ich kann besser einschlafen).

Auch nicht an Menschen, die mir was bedeuten. Sondern an mir selbst. Aber das tun wir alle und es ist auch nicht schlimm. Kritische Reflexion macht uns zu besseren Versionen unserer selbst und nicht die Meinungen anderer. Man sollte die Menschen um sich sammeln, die einen wirklich lieben und dabei gilt Qualität über Quantität. Darum ist es wichtig, Menschen zu finden, welche einen so lieben, wie man ist, und sich um sie zu bemühen.

Und wenn es Leute gibt, die das nicht tun, dann ist es eben so. Es tut vielleicht erst einmal weh, doch über kurz oder lang vergessen wir sie. Sie tragen mit ihren negativen Worten nichts zu unserem Leben bei. Sie haben keine Bedeutung. Löwen interessieren sich nicht für die Meinung von Schafen. Sie lachen aber, wenn sie geschoren werden.

 

 


Noëlle Lee,
24.7.2017, 116. Jahrgang, Nr. 205.

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