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Herausgeber: Guido Blumer & Roger Rutz.
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«Wandzeitung» vom 21.11.2017:

Es geht eine Träne auf reisen, weil der nostalgische Standort der Stapo am Obertor verschwindet:

Wenn zwei Seelen in der Brust kämpfen.

Für Winterthur war der vergangene 24. Oktober ein ganz besonderer Tag. Der Himmel im Osten war vor wie nach 10 Uhr morgens bedrohlich schwarz, kein sichtbarer Licht- oder Sonnstrahl erhellte den Werkhof und die Seelen an der Obermühlestrasse. Trotzdem schlug diese bedrohliche Düsterkeit keinem der zahlreich anwesenden Menschen am künftigen Polizeistandort auf die gute Stimmung, konkret die Gemüter der anwesenden freigeistigen Bullenkumpels. Heiterkeit herrschte!

Unerwartet war im überaus unangenehmen Dunkel ein harmonisch rattenderes Geräusch zu hören und in der uneinschätzbaren Höhe ein noch düsterer gespenstischer Punkt in Bewegung zu sehen, der grösser und grösser wurde und auf einmal als Helikopter zu erkennen war, mit drei in der Luft schwebenden Polzeigrenadieren. Und plötzlich waren die flugerpobten guten Bullen Winterthurs ein Teil von uns allen auch anwesenden zivilen Menschen, genau an dem Punkt, wo das Polizeigebäude Obermühlestrasse – wohl Ende 2022 steht. Die militärisch klingende sicherheitsmässige Geländeübergabe vom hiesigen frohgemuten Baustadtrat Josef Lisibach an die strahlende Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier war einfach eine korrekte, eine lebensfrohe. Klar gibt es nun kein Zurück mehr: Das Gelände für den Bau des neuen, sicheren Polizeigebäudes in der Nachbarschaft zur Feuerwehr ist frei, und ja klar: sinnvoll.

Dennoch kann ich es nicht unterdrücken, dass ich während elf Jahren mit grosser Empathie direkter Nachbar der Stadtpolizei am Obertor war und so nach und nach ein begeisterter Bullenfreund wurde. Der Fortunabrunnen – mit dem köstlich fliessenden tösstaler Wasser – war unsere direkte Verbindung. Das plätschert wohl nach dem Umzug der Stadtpolizei weiter als seelenpflegendes und lebensbejahendes Nass.

Fürderhin soll hier wömöglich allein eine Quartierpolizistin oder ein Quartierpolizist den Standort im Herzen der Altstadt Präsenz markieren, beziehungsweise Wachsamkeit signalisieren, und für die Menschen vor Ort Ansprechpartner oder Hilfeleisterin sein. Klar ist aber auch, dass wir menschenfreundlichen Obertörler faktisch auch fürderhin einen verbindlichen Schwatz beziehungsweise eine zuvorkommende Geste oder Hilfe zu leisten bereit sind. Wir ansässigen Gassenfreaks werden allezeit allen Leuten in Not vor Ort weiterhelfen, wenn wir das können, also nur die Staatsgewalt bemühen beziehungsweise ihr zur Seite stehen, wenn wir selbst in einer schwierigen Situation als Laien überfordert sind.

Ja, ich werde die mir liebgewordenen Schugger vermissen! Für die Stadtpolizei wie für uns Stadtbürgerinnen und Anwohnende ist der Neubau an der Obermühlestrasse indes ein Segen. Kommandant Fritz Lehmann bestätigte mit Vehemenz, dass das 82-Millionen-Projekt gleich präszis wie der eigene Haushalt geführt werde. Steuergeld ist ein sehr wertvolles Gut. Nur für Thomas von Aquin sind Steuergelder ein erlaubter Fall von Raub.

Da bleibt die Frage offen, ob das bauende Departement Sicherheit und Umwelt während der Bauzeit allemal polizeilich begleitet werden sollte. Das wird es eh: Von der Baustadträtin Barbara Günthard und dem Kommandandten Fritz Lehmann. Tutto a posto!


Guido Blumer,
21.11.2017, 116. Jahrgang, Nr. 325.

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